Wir haben alle viel mehr gemeinsam, als uns trennt


Während ich diese Zeilen in meinem Büro in Waldbronn schreibe, spüre ich eine Gänsehaut, die sich auf meinem ganzen Körper breit macht. Mein Herz schlägt schneller. Es prickelt in mir vom Kopf bis zur Fußspitze, wenn ich an den kommenden Mittwoch denke. Es ist ein Tag, auf den ich mich bereits seit Wochen und Monaten freue. Wie ein kleines Kind, kann ich es gar nicht erwarten, dass der 25. November 2020 endlich kommt. An diesem Tag erblickt die 7 CONTINENTS Box und meine beiden neuen Bücher das Licht der Welt. Es ist ein besonderer Moment, die Eindrücke, Erlebnisse, Einsichten, Erfahrungen und Stimmen der jungen Menschen aus der 1. Etappe von 7 CONTINENTS durch Europa mit euch zu teilen.

Die vergangenen Wochen und Monate waren nicht immer einfach für mich. Gleich an zwei Büchern zur selben Zeit zu arbeiten, hat meine persönliche Grenze verschieben lassen. Ich war häufig innerlich aufgewühlt und die Nächte waren stellenweise kurz. Nun freue ich mich umso mehr, beide Bücher in wenigen Tagen herauszubringen.
Um unsere Zukunft und die Europa-Etappe meines Projekts 7 CONTINENTS – darum geht es in den Büchern. Im Reisebuch (Bildband) beschreibe ich meinen Weg von Berlin nach Istanbul, was ich auf den 2300 Kilometern erfahren habe, welchen Menschen ich getroffen habe. Es geht vor allem um die Stimmen der jungen Menschen, um ihre Sichtweisen, Zukunftserwartungen, Träume, Ängste und Wünsche. Neben dem Bildband gibt es ein inspirierendes Sachbuch mit wertvollen Denkanstößen für das eigene Leben. Anregende Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse, Einsichten, Beobachtungen, kleinere und größere Geschichten. Was ich auf meiner Reise von Berlin nach Istanbul, durch die Begegnungen und Gespräche über mich und das Leben gelernt habe.

Die beiden Bücher sind meine bisher persönlichsten, die ich geschrieben habe. Sie bedeuten mir sehr viel. Deshalb habe ich mich entschlossen, sie in einer hochwertigen, edlen Box – der 7 CONTINENTS Box – herauszubringen. Von dieser Box gibt es genau 777 Stück. Am 25. November 2020 um 19.30 Uhr werde ich die beiden Bücher und die 7 CONTINENTS Box im Rahmen eines Online-Live-Events inklusive Unboxing präsentieren. Es ist eine große Freude, wenn du an diesem Abend dabei bist!

Als kleinen Vorgeschmack findest du nachfolgend einen Auszug aus dem Buch:

Ich sitze, wie so oft die letzten Tage, an einer Tankstelle und mache eine Pause. Im Süden Bulgariens bin ich mittlerweile angekommen. Die letzte Ortschaft, die ich vor ein paar Minuten passiert habe, hieß Lyubimets. Hier im ländlichen Bulgarien scheint die Zeit still zu stehen. Nur wenige Menschen mache ich aus. Daher sind kleine Shops und Tankstellen auf meinem Weg ein beliebtes Ziel. Um zu rasten, um durchzuschnaufen, um Menschen zu begegnen. Die eisgekühlte Cola lässt die sommerlichen Temperaturen etwas erträglicher erscheinen. Vorübergehend zumindest. Die kleine Tankstelle mit zwei Zapfsäulen und einem winzigen Shop ist überschaubar. Als ich aus dem drei mal drei Quadratmeter kleinen Shop wieder nach draußen trete, fällt mir eine Gruppe Jugendlicher auf, die auf zwei Bänken neben der Tankstelle sitzen. Neugierig schauen sie zu mir herüber. Ich gehe zu ihnen hin.

Einer unter ihnen fällt mir sofort auf: Große mandelförmige Augen, breite Schultern, sympathisches Lächeln, eine goldfarbene Kette ziert seinen kräftigen Hals. Sein weißes, eng anliegendes Shirt bildet einen starken Kontrast zu seiner dunklen Hautfarbe. Sein muskulöser Oberkörper, der extrem durchtrainierte Bizeps und die sehnigen Waden lassen darauf schließen, dass er regelmäßig Sport treibt. Als ich mich dem Tisch nähere, steht er auf, macht einen Schritt auf mich zu und hält seine Hand hoch für ein High Five. So lerne ich Norbert, 19 Jahre, Flüchtling aus Guinea, kennen. Ein Fremder − wie ich − in einem fremden Land.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei einer ersten Begegnung zweier Menschen die ersten Sekunden über Sympathie oder Antipathie entscheiden. Bei Norbert war es definitiv Ersteres. Wir verstehen uns sofort. Er redet wie ein Wasserfall, akzentfreies Englisch. Jedes Mal, wenn er spricht, kommen seine blitzeblank weißen Zähne zum Vorschein. Norbert erzählt mir seine Geschichte. Dass er vor vier Jahren aus Guinea geflüchtet und zu Fuß, per Anhalter und mit dem Boot nach Europa gekommen sei. Ein halbes Jahr habe die Reise gedauert. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass er nach Bulgarien gehe. Wegen seiner Verwandtschaft und Freunden, die er hier hat. Er fühle sich wohl hier. Um das Gesagte zu unterstreichen, nippt er an seiner Cola und grinst mich mit einem zufriedenen, selbstbewussten Lächeln an.

„Ist das deine Tasche?“, frage ich ihn. Eine große, schwarze Sporttasche, auf dem ein dunkles Handtuch mit goldfarbenen Logo liegt, steht vor ihm. „Ja, ich gehe gleich ins Fitnessstudio. Das mache ich jeden Tag.“ Wir reden über Fitness, die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Sportarten und auch über das Laufen. Sichtlich stolz berichtet mir Norbert, dass er drei Mal die Woche läuft. Gerne hätte er mich noch ein Stück begleitet, doch er sei gleich im Fitnessstudio verabredet. „Mein großer Traum ist es, Bodybuilder zu werden“, sagt er mit stolzer Brust. Vor allem, wie er diesen Satz sagt − ruhig, gelassen und gleichzeitig so bestimmt − imponieren mir.

Wir sitzen noch eine ganze Weile beisammen. Je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, desto bewusster wird mir, dass uns immer mehr miteinander verbindet. Ich erkenne: Wir lieben beide unsere Familien, teilen die Passion fürs Laufen, trinken gerne Cola, schätzen den Umgang mit Menschen, erfreuen uns beide an der Natur, essen am liebsten Pfannkuchen. Wir haben vieles gemeinsam − außer der Hautfarbe, den Geburtsort und dem Land, in dem wir leben. Ja, wir kommen aus unterschiedlichen Kulturen und von verschiedenen Kontinenten, aber das Wesentliche − die Essenz − dass wir erst einmal Menschen sind, darin sind wir uns unfassbar ähnlich.

Wenn ich so viele Menschen in all ihrer Vielfalt und in so kurzer Zeit treffe wie auf dieser Reise, geht mir durch den Kopf, wie ähnlich wir uns doch trotz allem sind. Wir alle haben Elemente von Schönheit, Dummheit, Intelligenz, Güte, Schwäche, Stärke und Liebe in uns. Wir alle durchlaufen in unserem Leben Phasen von Erfolg und Niederlage, Kummer und Schmerz, Hochs und Tiefs. Wir alle teilen grundlegende Bedürfnisse wie Sicherheit, Geborgenheit, Zugehörigkeit und Anerkennung. Das spiegeln auch die Antworten der jungen Menschen. Ob hier in Bulgarien, in Serbien, Tschechien oder Deutschland − unabhängig von Land und Kulturkreis: Wir teilen dieselben Ängste: Angst vor dem Tod, vor Ablehnung, vor Enttäuschungen, vor Spinnen oder der Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Auch bei der Frage, was uns glücklich macht, gibt es unglaublich viele Übereinstimmungen und Gemeinsamkeiten: Gute Freunde, eine intakte Familie, gesund zu sein, in einem friedlichen Land zu leben. So wie der 11-jährige Matti haben es viele junge Menschen in einer ähnlichen Art und Weise ausgedrückt: „Freunde, Familie, Liebe.“

Vielleicht ist die erste Frage nicht die, was uns trennt, sondern vielmehr die, was wir gemeinsam haben? Was ich gelernt habe: Dass jede Kultur für das globale Gleichgewicht von Wert ist, dass man von jedem Menschen etwas lernen kann, dass die eigene Meinung nie Allgemeingültigkeit haben darf. Ohne die Verschiedenartigkeit der Lebensformate, Sichtweisen und Blickwinkel gäbe es kaum einen Grund zum Reisen. Andreas Altmann schreibt mir in seinem Buch „Sucht nach Leben“ aus der Seele: „Erst wenn ich − die europäische oder türkische Dunkelbirne − sinnlich, also mit allen Sinnen begreife, dass der andere Mensch mir so ähnlich ist, ein armes Schwein ist, getrieben von Ängsten und dem Hunger nach dem Leben, erst wenn ich die furchterregenden Gedanken zulasse, dass ich um kein Haarbreit der bessere Mensch bin, erst dann entsteht etwas wie Versöhnung und die Begabung, den anderen zu sehen, ihn wahrzunehmen.“

Nach mittlerweile mehr als 2.000 gelaufenen Kilometern quer durch Europa habe ich die Einsicht gewonnen, dass im anderen viel von uns selbst steckt. Indem ich im Gegenüber zunächst den Menschen erkenne − unabhängig von seiner Hautfarbe, der Religionszugehörigkeit oder der Größe seines Geldbeutels, der mir hilft, mehr zu sein als ich selbst, so ist diese Erkenntnis ein Quantensprung.

Wir haben alle viel mehr gemeinsam, als uns trennt. Während ich hier im Süden von Bulgarien weiter Richtung türkische Grenze laufe und immer mehr in meinen Gedanken versinke, frage ich mich, ob es schon ein Beweis dafür ist, wenn uns zwischen zwei Menschen − dir selbst und einem Fremden – nur ein einziger Unterschied auffällt, wie unglaublich viel wir dann gemeinsam haben müssen.

Die Passion für den Sport. Das ist eines der Dinge, die Norbert und mich verbindet. Viel mehr, als ein oberflächlicher Unterschied uns je trennen könnte. Sie lieferten die Basis für ein Gespräch, ein Näherkommen, vielleicht sogar für eine Freundschaft. Was ich aus der Begegnung mit Norbert gelernt habe: Statt wie Kinder vor einem Rätselbuch immer nur nach Unterschieden zu suchen, sollte ich zukünftig viel mehr Zeit damit verbringen, Gemeinsamkeiten zu betonen und zu feiern. Sind es nicht die Gemeinsamkeiten, welche die Brücken zwischen den unterschiedlichsten Menschen bauen? Ohne einen Blick für das, was uns verbindet, driften wir nur immer weiter auseinander − in Filterblasen, Subkulturen, Nationalitäten und Kontinenten.


Dies ist ein Auszug aus meinem neuen 7 CONTINENTS Reisebuch, welches am 25.11. im Rahmen eines Online-Live Events das Licht der Welt erblicken wird. Ich werde es im Live Event vorstellen und inklusive Unboxing präsentieren.

Sei auch du dabei am 25.11. um 19:30 Uhr.

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